Scheiß drauf.

Mal ehrlich, wann hast du dir das letzte Mal aus vollem Herzen gedacht „Drauf geschissen.“
…und dann dementsprechend gehandelt?

Ist für die meisten von uns ganz schön lange her. Ich tippe mal auf die Kindheit, da ist man noch am ehesten unzensiert und ohne große Bedenken und Schuldgefühle.  
Für viele von uns ist es so lange her, dass wir uns kaum noch daran erinnern wie befreiend es sein kann, wenn wir sie mal loslassen - diese Vorstellung, dass alle anderen besser wissen…

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… was wir wollen und brauchen,
… welche unserer Ansichten okay sind
und welche wir besser gleich in die
„darüber-wird-nicht-gesprochen“ – Ecke
verbannen sollten
… welche Kleidung, Frisur, Karriere,
Lebensweise, … okay ist
(und welche es ganz und gar nicht ist)
… wie wir unsere lieben Kinder erziehen sollen
(nicht das ich welche habe, aber Hund zählt auch)


Ich glaube ihr seht worauf ich hinaus will.



Daher sage ich heute mal aus tiefstem Herzen, einfach weil das Wochenende vor der Tür steht:

Scheiß drauf!




Und dann tu es einfach:

Sag deine Meinung, obwohl du schon im Vorhinein weißt, dass dich gleich alle so ansehen werden als hättest du deine Oma überfahren.

Kratz die Kurve an der Salatbar und kauf dir den Donut mir Extracremefüllung zum Mittagessen.

Trag deinen Lieblingslidschatten, mit dem du so aussiehst, als hätte dir jemand ein blaues Auge geschlagen.

Versenk die hässliche Topfpflanze, die du mal zum Geburtstag bekommen hast im Mülleimer (oder schenk sie weiter).

Kauf deinem brüllenden Kind das bescheuerte Spielzeug, damit du endlich deine Ruhe hast.

Setz dich um vier Uhr nachmittags mit einem Buch an die Bar und bestell dir zur Happy Hour einen Cocktail.

Zieh das Lieblingstop an, aus dem du schon vor zehn Jahren rausgewachsen bist.

Lies deinen Lieblingskitschroman, dessen Titelblatt so peinlich ist, dass die einzige öffentlichkeitstaugliche Version eine elektronische ist.

Sag was du denkst. Einfach so. Probier’s mal.

Sei gesellig, wenn dir danach ist und ein Einsiedlerkrebs, wenn du mal keine Lust auf das ganze
„Gruppenzwang-TamTam“ hast.

Lass das mit dem Entschuldigen. Ernsthaft. Lass es einfach.

Wenn du glücklich bist, obwohl es dein Gegenüber gerade offensichtlich nicht ist – sei glücklich. Wenn dich alles ankotzt, obwohl allen um dich herum gerade die Sonne aus dem Hintern scheint – sei angekotzt.

Färb dir die blaue Haarsträhne, sag den Abend mit den nervtötenden Bekannten ab, servier die Essensüberreste von vorgestern zum dritten Mal, …

Egal was es ist - nimm deinen Mut zusammen
und scher dich nicht darum was der Rest der Welt denkt.
Tu es einfach - sag JA zu dir.


Wenn mich wer sucht … ich geh jetzt Cocktail trinken. Mit meinem Kitschroman.

Freitagnachmittag in Boulder, CO