Ahimsa – Mut, der aus innerem Gleichgewicht wächst

Zu Beginn eines neuen Jahres erleben wir oft eine Welle neuer Energie.
Wir sind bereit Projekte in Angriff zu nehmen, Veränderung zu schaffen, Ideen zu verwirklichen.
Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen mitaufzuspringen. Ich will die Energie nutzen und in etwas eintauchen, von dem ich glaube, dass es nicht nur mein Leben, sondern auch das der Menschen in meinem Umfeld bereichern wird.
Und ich möchte euch dabei gerne mitnehmen.
Was das nun genau bedeutet?
Nennen wir es ein kleines Experiment, ein Abenteuer, auf das wir uns über die kommenden Wochen gemeinsam begeben werden ...

Es geht dabei nicht um Yoga (auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so aussieht).
Also gleich mal an alle von euch, die mit der ganzen Dehnerei auf bunten Gummimatten nicht viel am Hut haben:
Dieser Artikel ist genauso für euch, wie für all jene, die ihren Tag damit beginnen,
den Nachbarshahn mit einem laut gesummten Ohm zu übertönen.

Aus einem Grund, der sich bald von selbst erklären wird, lasst mich trotzdem ganz kurz mit dieser „Yogasache“ einsteigen:

Wenn man Plattformen wie Facebook, Instagram & Co Glauben schenkt,
dann ist Yoga was für gertenschlanke Mädchen in knallengen Regenbogenleggins,
die ihr Frühstücksmüsli mit den Beinen hinterm Kopf löffeln, richtig?
Falsch.
Yoga besteht aus einem Haufen affenartiger Verrenkungen und ein paar atmenoterzeugender Schnaufübungen, richtig?
Falsch.
Wer Yoga praktiziert, der meditiert täglich. Mindestens eine Stunde.
Im Lotussitz, während im Hintergrund ein paar Mönche auf YouTube Kehlkopfgesänge trällern, richtig?
Falsch.
Für Yoga braucht man eine teure Matte, hautenge Klamotten, Hippietätowierungen und die vollkommene Überzeugung, dass die einzig zulässige Form einer Begrüßung gefaltete Hände und ein herzerwärmendes Namaste ist …
Falsch.

… natürlich kann man das alles machen. Muss man aber nicht.
Das ganze Yogazeugs hat nämlich auch eine andere Seite.
…und die ist mindestens genauso spannend, wie akrobatische Kopfstandübungen, in denen man mit den Füßen klatscht.

Worum es mir über die nächsten Wochen geht
(und ja, ich habe vor zwischendurch auch noch andere Blog-Beiträge verfassen):

Ich möchte euch etwas weitergeben, das zwar zugegebenermaßen aus dem Yoga kommt ABER,
ihr braucht dabei das Wort Yoga kein einziges Mal in den Mund zu nehmen.
Ihr braucht es nicht einmal zu denken.
Das Konzepte, die Ideen, Inspirationen, … (wie auch immer ihr es nennen wollt) die ich mit euch teilen möchte,
kann jeder in seinem eigenen Alltag wiederfinden.

Was ich mit euch teilen werde soll zu eurem Abenteurer werden.
Es soll euch Freude bereiten und Möglichkeiten eröffnen, die euer Leben bereichern.

Photo by Johannes Plenio on Unsplash.jpg

Ich möchte, dass ihr euren eigenen Zugang zu diesen Ideen, eure eigene Wahrheit darin findet.
Beobachtet, was es mit euch macht.
Wie es die Beziehung zu euch selbst
und zu eurem Umfeld verändert.

Das einzige, das ihr benötigt, ist ein wenig Abenteuerlust, Offenheit und Neugier darauf, euer Leben und denn Alltag vielleicht einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Seid geduldig mit euch selbst, lasst euch ein.
Mit viel Mut, Liebe und Gelassenheit.

Lasst euch davon überraschen, welch große Veränderungen die vermeintlich kleinen Dinge bewirken können.

Nur kurz ein paar kurze Zeilen zum Hintergrund, auf dem unsere Übungen basieren werden:

Das, was ich den nächsten Wochen und Monaten mit euch teilen werde,
baut auf dem Konzept der „Yamas und Niyamas“ auf.
Vereinfacht ausgedrückt sind es Richtlinien. Wenn ihr so wollt auch Ideen oder Anregungen.
Wie viele es davon gibt? 10.
Ihr Sinn? Sie helfen uns dabei mehr Bewusstsein für unsere Gedanken, Worte und Handlungen zu schaffen.
Und das Ergebnis? Mehr Selbstbestimmung und Freude in unserem Leben.

Na, interessiert?!

Wir alle leben in einer Welt aus unbegrenzten Wünschen und Ideen und deutlich begrenzteren physischen Möglichkeiten.
Inmitten des ganzen Chaos nehmen uns diese 10 Inspirationen an der Hand und helfen uns,
unseren Alltag mit mehr Bewusstsein, Liebe und Geduld zu navigieren.
Dabei geht nicht darum einem bereits vorgegebenen Weg zu folgen, sondern seinen eignen zu finden.

Was wir also dabei lernen ist die Fähigkeit bewusst über unsere Werte, Gedanken, Worte und Taten zu entscheiden.
Wir lernen in verschiedensten Momenten und Situationen bewusst zu agieren und die Realität, in der wir leben, mitzugestalten,
anstatt wie eine Marionette auf äußere Umstände und innere Emotionsdramen zu reagieren.

Wenn wir diese Fähigkeiten mit viel Liebe, Geduld und Mitgefühl mit uns selbst üben, ist das Ergebnis kein geringeres, als Glück.
Nicht jenes Glück, das wir spüren, wenn alles genauso läuft, wie wir es uns vorstellen
(und das dann auch genauso schnell wieder verschwindet).

Es geht um das Glück, das tief in jedem von uns wächst. Jenes, das im Jetzt lebt.
Es erwartet nichts, verurteilt nicht, braucht nichts.
Es ist jenes Glück, das aus einem bewussten, authentischen Leben entsteht.
Es ist die Freude, die aus einem Leben im Einklang mit sich selbst und dem was ist, wächst.

Ihr könnt euch die Übungen und Anregungen, wie eine Landkarte vorstellen, auf der wir uns über die kommenden Wochen und Monate ganz ohne Eile von einem Wegpunkt zum nächsten weiterbewegen werden.

Ich habe beschlossen diese 10 Wegpunkte nicht im Voraus mit euch zu teilen.
Der Grund ist simpel:
Ich möchte das ihr euch voll und ganz auf das Thema jeder einzelnen Woche einlasst, ohne an das zu denken, was noch kommt.

Hier ist meine Einladung an euch:

Lasst euch ein, habt Spaß. Nutzt die Energie des beginnenden Jahres.
Lasst uns gemeinsam auf dieses Abenteuer gehen.
Wenn nicht jetzt, wann dann?


Seid ihr bereit? Hier ist unser 1. Wegpunkt, unsere 1. Inspiration, das „Thema dieser Woche“ …


1.Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Das Thema, mit dem wir einsteigen, mag auf den ersten Blick nicht besonders lustig und vielleicht sogar ein wenig düster klingen.
Bei näherer Betrachtung und ein bisschen Recherche stellt sich jedoch schnell heraus:
Ahimsa ist weitaus interessanter als angenommen…

Zuerst einmal sind da jene Dinge, die im Zusammenhang mit dem Thema Gewaltlosigkeit vollkommen logisch erscheinen:

Schubs den Jungen in der Reihe vor dir nicht.
Zieh die Katze nicht am Schwanz.
Wünsch der unsympathischen Arbeitskollegin nicht die Windpocken an den Hals.
Der Mittelfinger ist nicht zum Winken da.
usw usw

Diese Dinge sind uns allen bekannt (und nein, bei Gewaltlosigkeit geht’s nicht immer nur um die körperliche Gewalt).
Gräbt man ein bisschen tiefer wird’s jedoch spannend.

Wer macht sich auch schon Gedanken darüber, dass unsere Fähigkeit, Gewaltlosigkeit im Umgang mit anderen zu praktizieren, in direkter Verbindung dazu steht, wie wir mit uns selbst umgehen?
Unsere innere Stärke, unser Charakter, bestimmen unsere Fähigkeit, nicht nur in unseren eigenen vier Wänden, sondern auch mit der Welt um uns herum in Frieden zu sein.

Unsere Fähigkeit gewaltfrei zu handeln wächst nicht durch irgendwelche zeitintensiven Übungen und schweißtreibenden Verrenkungen in knallengen Yogaoutfits, sie wächst in den kleinen und großen Herausforderungen des Alltags und den bewussten Entscheidungen die wir im Umgang mit anderen und mit uns selbst treffen.

Die Frage, die ich mir zuallererst gestellt habe: Woher kommt die Bereitschaft zur Gewalt?
Die Antwort die ich dabei finde: In den meisten Fällen wächst sie aus Angst.

Angst ist nicht immer schlecht. Ein gesundes Ausmaß sorgt dafür, dass wir am Leben bleiben.
Zuviel davon hält uns jedoch vom Leben ab.

Das „zu viel“ ist zumeist die Angst vor dem Unbekannten.
Diese Angst vor dem Unbekannten lebt fast ausschließlich in unseren Köpfen. Wenn wir beginnen das zu begreifen, wird das Unbekannte zu einem Abenteuer, dem wir uns stellen können.
Dazu muss man nicht gleich mit dem Fallschirm aus einem Flieger springen (außer natürlich ihr wolltet das schon immer mal tun).
Oft sind es die kleinen Dinge:
Die eigene Wahrheit sprechen, auch wenn man sich vor den Reaktionen der anderen fürchtet.
Eine Entscheidung treffen, die man aus Angst schon lange vor sich herschiebt.

Es geht darum Dinge zu tun, Plätze aufzusuchen, sich mit Menschen zu umgeben, die man normalerweise meidet. Einfach aus Angst. Aus Angst nicht genug zu sein, Angst die Kontrolle zu verlieren, Angst vor möglichen Reaktionen des Umfelds, …

Photo by Denys Nevozhai on Unsplash.jpg

Wir üben uns darin zu vertrauen.
In uns selbst und unser Leben.
Und mit einem Mal sieht die Welt größer aus.
Sie wird reicher an Möglichkeiten.

Um eine ein gewaltfreies Leben, eine gewaltfreie Welt überhaupt möglich zu machen, geht es zuallererst einmal darum, den Mut zu leben zu finden. Den Mut Möglichkeiten zu sehen und diese dann auch auszuschöpfen.

Mut heißt nicht, dass man sich nicht fürchtet. Mut heißt Dinge in Angriff zu nehmen, obwohl man sich fürchtet.

Furcht vor etwas wird zum Ansporn, zu einer Einladung, an seiner eigenen Courage, dem Glauben an die eigenen Fähigkeiten, zu arbeiten.

Mut braucht Gleichgewicht. Wer ständig den Boden unter den Füßen verliert, keine Balance im Alltag findet und mehr im Außen lebt als im Innen, für den wird es schwer mutig zu sein.
Wer sich ständig unausgeglichen fühlt (sei es aufgrund von zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf, zu viel Zucker, zu wenig Pausen, zu viel Arbeit, …), dem fällt es oft schwer das Prinzip der „Gewaltlosigkeit“ zu leben.
Ganz einfach, weil sich die innere Unausgeglichenheit immer auf die eine oder andere Weise im Außen wiederspiegelt.

Balance in unserem Leben ist kein in Stein gemeißelter Richtwert mit festgelegten Regeln.
Gleichgewicht sieht für jeden anders aus.
Darum finden wir es auch nicht, indem wir uns am Außen orientieren. Stattdessen lernen wir hineinzuhören.

Ein Leben in innerem Gleichgewicht, ist gleichzeitig ein Leben, das wir in Gewaltlosigkeit führen.


Wie sieht das also nun in der Praxis aus?!


Hier ist die Inspiration für diese Woche:

Spür hinein und geh auf die Suche nach jenen Dingen, die dich zurück zu einem Gefühl von innerem Gleichgewicht führen.
Versuch dich dabei so wenig wie möglich an gedanklichen Konstrukten festzuhalten,
sondern lausche stattdessen den Signalen deines Körpers.

Was brauchst du?
Wie kannst du Balance in dieser Woche, in deinem Alltag, finden?
Du brauchst nicht dein ganzes Leben umzukrempeln,
beginn stattdessen die kleinen Alltagsaugenblicke wahrzunehmen und sie zu nutzen.
Beobachte was sich dabei für dich und für dein Umfeld verändert.

Und noch eine weitere Aufgabe möchte ich dir für diese Woche ans Herz legen:

Tu etwas, dass du normalerweise nicht tun würdest.
Etwas, das du normalerweise, so gut es eben geht, vermeiden würdest.
Lerne dabei die reelle Angst und die Angst vor dem Unbekannten zu unterscheiden.
Denk nicht zu lange darüber nach. Versuch deine Gedanken und Emotionen nicht allzu ernst zu nehmen.
Mut braucht Zeit, um zu wachsen. Mut braucht Übung. Und Mitgefühl. Vor allem mit uns selbst.
…also lasst uns üben.  

Hier ein paar Ideen über die ich so gestolpert bin:

Sprich mit einem Fremden.
Probier ein exotisches Essen.
Sag jemandem was du wirklich denkst.
Beginne ein Projekt, das du schon immer in Angriff nehmen wolltest.
Geh klettern.
Umarme jemanden, der nicht zu deinem engsten Familien-, oder Freundeskreis gehört.
Nimm Abschied von einer Beziehung, die dir nicht guttut.
Melde dich bei der Person, mit der du schon immer befreundet sein wolltest.
Mach den Ausflug, den du schon immer machen wolltest. Allein.
Nimm in der ersten Reihe Platz.
Leg einen Schweige - Tag ein.
Melde dich für den Kurs an, an dem du schon immer teilnehmen wolltest.
Lerne eine neue Fähigkeit.
Sag Nein.

Ihr seht, das Spektrum an Möglichkeiten ist groß und kunterbunt.
Man braucht nicht gleich seinen Job zu kündigen, um die Sache mit dem Mut zu üben, oder das innere Gleichgewicht zu finden
(auch wenn das eine weitere Möglichkeit ist).

Photo by Daniele Levis Pelusi on Unsplash.jpg

Findet euren eigenen Weg.
Vielleicht beginnt ihr ein Tagebuch über
eure Erlebnisse zu führen.
Oder ihr tauscht euch mit jemandem darüber aus.
Lasst mich wissen, wie es euch dabei geht.

Ich freue mich riesig auf diese gemeinsame Reise mit euch.
In den Kommentaren am Ende jedes Blogs ist genügend Platz.
Lasst uns an euren Erlebnissen teilhaben.

Auf ein kunterbuntes 2019 voller Abenteuer und Möglichkeiten!