Castle Rock Oktober 2018, 50 Kilometer Traillauf

Als kleine Einstimmung auf den Beitrag der nächsten Woche TAPAS, das dritte der 5 Niyamas,
eine (zumindest aus meiner Sicht ganz passende) Geschichte aus meinem Jahr 2018...

 

Castle Rock Oktober 2018, 50 Kilometer Traillauf

 

Meine Oberschenkel brennen wie Feuer und das Ziehen in der Leiste ist zurück. Irgendwann, bei einem meiner letzten langen Läufe, ist es aufgetaucht und hält sich nun so hartnäckig wie die wepsenartigen Flugtierchen auf unserem Balkon. Zuerst hielt ich es mit dem Ziehen gleich wie mit den Insektentierchen – einfach ignorieren.
Im Gegensatz zu den garstig aussehenden Pseudo-Bienen, wurde die Sache mit der Leiste jedoch von Woche zu Woche unerträglicher.
Der letzte lange Lauf vor dem Rennen war, vor allem auf die letzten paar Meilen, demotivierend schmerzhaft. Nicht einmal das Kraft- und Stabilisationstraining samt Dehnen schien so kurzfristig noch Früchte zu tragen.

So traben ich und mein Ziehen in der Leiste also im Oktober des Jahres 2018, eingeklemmt zwischen zwei stattlichen Läufern, dahin und ich bete im Stillen, dass mein rechter Hüftbeuger die ganzen 50 Kilometer mitmacht. Gerade zwickts aber ganz woanders… Meine Oberschenkel fühlen sich an, als hätte sie jemand mit dem Fleischklopfer bearbeitet. Weil ich dafür jetzt wirklich keine Nerven habe, versuche mich auf die hübschen bunten Sträucher am Rande des schulterbreiten Trails zu konzentrieren.
Als Ablenkungsmanöver sozusagen. Wie sie wohl heißen? Nach mittlerweile knapp vier Jahren in Colorado hätte ich zugegebenermaßen wohl ein wenig mehr über die örtliche Fauna in Erfahrung bringen können.

Kurz vor dem Rennen schlägt einer der unzähligen Artikel und Ratgeber zum Thema Laufen (die ich mindestens genauso schnell verschlinge, wie unser Hund Marley sein staubtrockenes Bröselfutter) vor, sich vor dem Rennen nicht nur genauestens mit dem Gelände und der Strecke selbst, sondern auch mit der Geschichte des Ortes, den Pflanzen, Tieren, … vertraut zu machen.

Und genau hier begehe ich meinen ersten Fehler. Nicht, weil ich den Namen des, um diese Jahreszeit feuerrot leuchtenden, Gestrüpps nicht kenne, sondern weil ich mich in der Vorbereitung nicht wirklich um das Streckenprofil geschert habe. Nach Meile 10 (16 Kilometer) wird klar, dass mir das heute zum Verhängnis werden könnte.
Darauf, dass 90% des Laufs auf einem äußerst schmalen Single-Track stattfinden würden, war ich vorbereitet. Dass dieser, sich durchs Gestrüpp windende Fitzerlpfad, jedoch in einem stätigen Auf und Ab, steigen und fallen würde, war mir irgendwie entgangen. Mein Kopf hatte irgendwann beschlossen, dass es absolut ausreichend sei, die Berge rauf und runter zu rennen und hin und wieder ein paar, im Flachland gelegene, Trails miteinzustreuen.
An diesem Tag wurde ich schnell eines Besseren belehrt…

Während meine Beine lange Anstiege und technische Downhills gewöhnt sind, geht es bei diesem Lauf stetig auf, ab, auf, ab, auf, ab, auf, ab,… bis ich mir vorkomme wie ein Seemann auf dem offenen Meer. Nur, dass ich nicht gemütlich im Boot über die Wellen schaukle und mir dabei eine Übelkeitstablette nach der anderen einwerfe.
Nein, ich trabe eingekeilt zwischen zwei Typen die aussehen, als wären sie gerade kurz von den Qualifikationen für die olympischen Spiele hierher abgebogen (es stellt sich blöderweise bald heraus – ihre Leistung wird ihrem professionellen Outfit gerecht).

Rauf, runter, rauf, runter, rauf runter.

Die Sache ist die – der Anstieg bei solch welligen Hügeln ist zu gering, um ins Power-Hiking (schnelles Wandern) überzugehen (…noch dazu wo ich den Atem meines Hintermannes im Nacken spüren kann), der Anstieg ist aber auch zu steil, um die Anstrengung möglichst gering zu halten.

Photo by Todd Diemer on Unsplash.jpg

Also schnaufe ich dem Vordermann, der das Tempo unseres kleinen Grüppchens vorgibt, hinterher. Meine Oberschenkel ächzen mit. Nächster Fehler. Ich habe im Training verabsäumt das „bewusste Ansteuern“ meines Allerwertesten zu üben. Was also normalerweise ein superstarker Gesäßmuskel bergauf übernehmen soll, müssen jetzt meine armen Oberschenkel leisten. Und die sind davon ganz und gar nicht begeistert.

Der Kollege vor mir ist schweigsam. Ich kann nicht sagen, ob er in den USA geboren worden ist, aber er ist eindeutig asiatischer Abstammung. Ihn lasse ich in Frieden. Vor allem, weil ich mir nicht ganz sicher bin, wie glücklich er darüber ist gleich zwei Läufer an den Fersen kleben zu haben.
Ich fühle mich dabei nur ein ganz kleines bisschen schuldig. Auf dem schmalen Weg ist es so gut wie unmöglich zu überholen, außer man hat ein Affentempo drauf, und zurückfallen lassen ist für mich… zumindest in diesem Moment, ein Ding der Unmöglichkeit.
…auch das werde ich später noch bereuen.

Nachdem die Konversation mit meinem asiatischen Mit-Läufer somit ausfällt, bleibt nur der Kollege hinter mir. 50 Kilometer sind lang. Warum sich also nicht mit seinen Mitstreitern anfreunden. Es ist schließlich nicht so, als würden wir um die ersten drei Plätze konkurrieren.
Wir haben uns irgendwo an der Spitze des mittleren Feldes (klingt schräg, ist aber so) eingefunden und laufen nun als Dreiergespann.
Der Amerikaner hinter mir ist freundlich zurückhaltend. Wir wechseln ein paar Worte, aber dann wird er wieder einsilbig und ich verstehe den Wink mit dem Zaunpfahl. Vielleicht sollte ich mich auch mehr auf meine Atmung und die vielen kleinen Wurzeln und Felsen konzentrieren. Auch wenn sie jetzt noch kein Problem darstellen weiß ich, dass sie nach einigen Stunden meine volle Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen werden. Jetzt derweil geht es jedoch noch ganz easy und so trabe ich weiter, eingekeilt in unserem kleinen Grüppchen, dahin.

Eines beginnt mir jedoch auf den Keks zu gehen. Der ungesprächige Typ vor mir nimmt bei den Downhills Tempo raus und sprintet dafür alle Steigungen hinauf. Und ich hinterher. Ein weiterer Fehler.
Mein Körper funktioniert so nicht. Bergab bin ich schnell. Ich weiß, dass ich meinen Knöcheln und Knien vertrauen kann. Technische Gefälle sind meine Stärke. Also würde ich da ganz gern Tempo zulegen. Ist aber nicht möglich, weil der Kerl vor mir die Fersen in den Boden stemmt.
Anders siehts jedoch bergauf aus. Da muss ich Tempo rausnehmen. Was in diesem Fall nicht geht, weil mein Hintermann mir auf die Pelle rückt.
Somit verletze ich eines der obersten Gebote im Langstreckenlauf:


„Renn dein eigenes Rennen (=DEIN Tempo).“


Ein bescheuert enger Singletrack und ein vorlautes Ego, das es sich selbst und allen anderen „beweisen will“, machen das Ganze schon bald zu einem Himmelfahrtskommando.

Bei der nächsten Labe-Station zieht unser Anführer von dannen. Mein amerikanischer Mit-Läufer bleibt bei mir. Ich bin nicht wirklich traurig über den Verlust und so geht’s von nun an zu zweit weiter. Während eines steileren Anstiegs, bei dem wir beide vom Laufen ins Gehen wechseln, habe ich Zeit und beginne über die vergangenen Wochen und Monate zu sinnieren…

Im Juni habe ich aufgrund eines Visa-Wechsels meine Arbeitsbewilligung verloren. Das hieß dann erst mal Pause vom Yoga unterrichten. Grundsätzlich eine feine Sache. Mehr Freizeit und wenn man sich, so wie ich, für hunderttausend Dinge gleichzeitig interessiert und ohnehin nie weiß, wie man alles in 24 Stunden unterbringen soll, dann kommt einem so eine Auszeit im Grunde ganz gelegen.
Womit ich jedoch nicht gerechnet habe ist, was das mit meinem Selbstwert macht.
Erst langsam beginnt mir zu dämmern, wie sehr ich mich jahrelang über mein(e) Berufsbild(er) definiert habe. Die Erkenntnis schmerzt. Und noch viel mehr als das, lässt sie mich vor allem ein bisschen ratlos zurück.
Also… was bin ich denn nun eigentlich wert?!

Auch wenn ich meine Tage bis zum Rand mit Aktivitäten vollpacke, habe ich plötzlich das Gefühl, nichts mehr zu leisten. Als ich allen Mut zusammennehme und mich endlich für meinen ersten Ultralauf (=alles was in der Distanz länger als ein Marathon ist) eintrage, ändert sich das.
Und dann machte ich wohl den größten und entscheidendsten Fehler von allen – ich projizierte mein Leistungsdenken auf das, was ich am allerallerliebsten tat, aufs Laufen.

Photo by Tyson Dudley on Unsplash.jpg

Wenn ich mich in der Natur bewegen kann, dann ist das für mich so, wie der sonntägliche Kirchgang für andere. Der Geruch der Erde ist mein Weihrauch und wenn ich ein ganz besonders schönes Plätzchen am Weg finde oder auf einem Gipfel stehe, dann überkommt mich oft das Gefühl auf die Knie fallen zu wollen, um *Danke zu sagen. Laufen ist für mich wie ein Gebet. Jeder Schritt, jeder Atemzug ist ein tiefempfundenes *Danke an die Natur und das Leben.

(Natürlich sind manchmal Tage dabei, wo einfach nix geht und mich das Vogelgetschirpe und der Matsch und die ganzen Leute auf den Trails und überhaupt alles anzipft. …aber solche Tage sind selten.)

Irgendwie klar, dass der ganze Leistungs-Schmarrn die Dynamik meiner Läufe mit einem Mal grundsätzlich verändert. Plötzlich geht es um Form, um Stride (Schrittlänge), Cadence (Schrittfreuquenz), ein korrektes Armpendel, die zurückgelegten Meilen und Höhenmeter, usw. usw.
Ich will nicht sagen, dass mich der neue Fokus nicht besser gemacht hätte. Das klar strukturierte Training brachte deutliche Fortschritte mit sich, wie sich bei einem technischen Trailhalbmarathon mit deftigen Höhenmetern im Sommer herausstellte.

Aber all diese Dinge helfen nicht beim Weitermachen, wenn es richtig schwer wird.
„Ich will es mir selbst und allen anderen beweisen.“, ist ein Mantra, das man auf Klopapier schreiben und sich damit den *** abwischen kann. Zumindest mir hat diese Denkweise kaum geholfen.

Heute kommt es mir fast wie ein Rätsel vor, wie ich damals alles verlieren konnte, das mich über so viele Jahre immer und immer wieder nach draußen auf die Trails geführt hat.
Hätte ich mich an jenem Tag im Oktober 2018 an mein wirkliches WARUM (an das, das aus dem Herz und nicht aus dem Kopf kommt), erinnert… ich bin mir ziemlich sicher ich hätte das Rennen zu Ende gebracht. Und wenn ich dabei die letzten Stunden „spazieren gegangen“ wäre.

So aber kommt es, wie es kommen muss…

Ein zu schneller Start, viel zu tempointensive erste Meilen, eine nicht dem Gelände angepasste Vorbereitung und über allem ein Ego, dass glaubt „etwas beweisen zu müssen“, fordern einen Tribut…

Nach einigen Meilen lasse ich meinen amerikanischen Mitstreiter ziehen. Erst viel zu spät begreife ich, dass es weise gewesen wäre langsam zu beginnen und erst nach einiger Zeit Tempo aufzunehmen. Ich kenne meinen Körper. Meist brauche ich eine knappe Stunde, in der ich meinen Muskeln Zeit gebe, um „warm zu werden“.
Wenn ich mir diese Stunde nehme, wird die restliche Zeit ein Klacks.
Wie konnte ich das an diesem Tag nur ignorieren?

Nach 15 Meilen (24 Kilometer) meldet sich meine Leiste immer lauter. Alles konzentrieren auf Form, korrekte Technik, … hilft nichts mehr. Der Hüftbeuger raunzt und jammert und will gar nicht mehr aufhören. Bei Meile 18 (29 Kilometer) hat sich der Schmerz an der Außenseite meines Oberschenkels entlang nach unten vorgearbeitet und klammerte sich nur mit aller Macht um mein Kniegelenk, so als hätte er Angst jederzeit mit Schmerztabletten zum Aufgeben gezwungen zu werden. Da ich in meinem Leben erst zwei Mal Schmerztabletten genommen habe, habe ich heute natürlich keine dabei. Fehler.

Meine eigentliche Stärke, schnelle Downhills, werden zur Qual. Bis ich das bergabrennen schließlich ganz aufgeben muss. Zu diesem Zeitpunkt rede ich mir noch ein, dass es okay ist. Ich kann die verlorene Zeit einfach bergauf und auf den wenigen geraden Teilabschnitten wiedergutmachen.
Kaum eine Meile später wird auch das Bergauflaufen unmöglich.
Und dann lässt mich meine rechte Seite auch auf der Ebene hängen.


„Rie ne va plus.“ … „Nichts geht mehr.“



Ich bin den Tränen nahe. Meine Vorstellung davon, mit einem Freudenstrahlen durchs Ziel und geradewegs in die Arme von *Herzmensch und *Lieblingseltern (die aus Österreich angereist sind, um uns zu besuchen) zu laufen, rückt immer mehr in weite Ferne.

Je länger der Lauf, je mehr Meilen, umso weniger ist es eine Frage des körperlichen Durchhaltevermögens, als vielmehr eine Frage der mentalen Stärke.
Der Kopf kennt das WARUM, der Körper folgt.

Als ich meinen Lauf zu einem persönlichen Leistungsattest umfunktioniert habe, ist mir mein wirkliches WARUM irgendwann verloren gegangen.

Meine Beine funktionieren doch noch… ich kann zwar nicht mehr laufen, aber immer noch relativ schmerzfrei gehen. Meine altes WARUM hätte wohl innerlich „umgeschaltet“ und sich auf einen langen Wandertag in wunderschöner Natur gefreut. Draußen bin ich schließlich daheim. In der Natur fühle ich mich zuhause.

Mit meinem neuen WARUM lässt sich das jedoch nicht vereinbaren. In meinem Kopf hämmert eine grausame Erkenntnis:
„Wenn du die nächsten Stunden spazierend zubringst, um als Allerletzte das Ziel zu erreichen, dann kannst du genauso gut hier und jetzt aufhören.“

Ich erinnere mich noch an ein kurzes Telefonat mit *Herzmensch, in dem ich ihm erkläre, dass ich nicht weiß, ob ich das Rennen zu Ende bringen kann. Ich war bei Meile 21 (34 Kilometer) angelangt. Selbst im Training war ich schon etliche, weitaus längere, Einheiten gelaufen.
Aber es fehlen immer noch 11 Meilen (18 Kilometer) bis zum Ziel. Wenn ich die ganze restliche Strecke spazieren muss, würde es ein sehr, sehr langer Tag werden. Da hilft es auch nicht, dass *Herzmensch erklärt, dass er und meine Eltern bereits im Ziel auf mich warten und ich gut auf mich hören und nichts übertreiben soll.

Zu diesem Zeitpunkt war “auf mich selbst zu hören” die denkbar schlechteste Idee. Mein Kopf war bei einem inneren Monolog angelangt, der in etwa so ging:
„Du wirst sie (die Familie) doch jetzt nicht noch stundenlang auf dich warten lasse. Offensichtlich ist dein Rennen vorbei. Sieh dir all die Läufer an, die dich mittlerweile überholen. Willst du diesen Trauermarsch allen Ernstes die nächsten Stunden über hinziehen? Tu dir selbst und deiner Familie einen Gefallen und lass es gut sein, dann könnt ihr den restlichen Tag miteinander genießen, anstatt darauf zu warten, dass die Stunden/Meilen verstreichen. Du bist nicht stark genug. Du hast nicht was es braucht. Gib auf.“

Ich hatte mich körperlich auf dieses Rennen vorbereitet. Aber ich hatte dabei vergessen, dass es irgendwann nicht mehr wirklich auf den Körper ankommt.
Was zählt, ist der Kopf. Was wichtig ist, ist das WARUM.
Mein Kopf hatte kapituliert. Mein WARUM war mir abhandengekommen und durch etwas ersetzt worden, dass mir nicht nur unglaublichen Druck machte, es half mir auch nicht, als ich es am meisten brauchte.

Kurz darauf endete mein erster Langdistanzversuch nach 21 Meilen (34 Kilometern).

Äußerlich erholte ich mich rasch von den Strapazen des Tages, aber das Gefühl versagt zu haben, hielt an. Zwei Monate lang rührte ich meine Laufsachen nicht mehr an. Ich war noch immer im Spazierschritt auf den Trails unterwegs, aber ich lief nicht mehr.
Ich hatte mir nichts bewiesen und auch niemand anderem. Ich hatte nichts geleistet. Ich hatte versagt.

Ich würde gerne behaupten, dass ich nach diesem Erlebnis so etwas wie eine Erleuchtung hatte.
Dass ich den tieferen Sinn hinter den Ereignissen erkannte und mich all das grundlegen verändert hat.
Vielleicht, oder ganz bestimmt, hat es das auch auf die eine oder andere Weise.
Auch wenn ich nicht mit Bestimmtheit sagen kann, dass ich die gleichen (oder ähnliche) Fehler nicht wieder machen werde.

Eines habe ich begriffen:

Wo ich über Wochen lang geglaubt hatte, das Opfer äußerer Umstände gewesen zu sein (bereits mit einem kränklichen Hüftbeuger ins Rennen gegangen, schwierige Voraussetzungen um als Langstrecken-Anfänger sein eigenes Rennen zu laufen, bescheuerte Hügel, …), wurde mir allmählich klar, dass dem nicht so war.
Ich hatte nicht nur die offensichtlichsten, grundlegenden Regeln in den Wind geschlagen, weil mein Ego mit mir durchging, ich hatte auch – und das war wohl der entscheidende Punkt – mein WARUM verloren.
Ich hatte es zuglassen das etwas, das ich von ganzem Herzen liebte, zum Ausdruck meines eigenen, inneren Leistungs- und Geltungsbedürfnisses wurde.
Dieses WARUM kam ganz klar aus meinem Kopf. Aber wenn der Kopf einmal schwächelt und die Gedanken sich in einer Spirale nach unten bewegen, dann braucht es etwas, das tiefer reicht.
Dann kommt der Moment, in dem man sich selbst nichts mehr vormachen kann.
Der Moment, in dem es darauf ankommt, ob man gelernt hat auf seine innere Stimme zu hören…

Was treibt dich wirklich an? Wofür stehst du? Woran glaubst du?

 

Photo by Camille Couvez on Unsplash.jpg

Nach etwa zwei Monaten nahm ich das Laufen wieder auf. Zuerst nur für eine halbe Stunde oder 45 Minuten am Stück. Es fühlte sich nach mehr als genug an. Und weil ich weder mir noch sonst jemandem etwas beweisen musste, hörte ich auf meine innere Stimme und lief nur so lange, wie es mir Freude machte.
Und die Freude hielt an. Schon bald wurden die Runden wieder länger, die Ausflüge weiter, und ehe ich mich versah, fand ich mit jeder zurückgelegten Meile ein Stück meines WARUM wieder.

Ob ich heute noch von Langstreckenrennen träume?
Auf alle Fälle!

Ich möchte gern glauben, dass ich durch das Erlebte gewachsen bin. Das ich dazugelernt und mich weiterentwickelt habe.
Ich denke, dass dem auch so ist. Trotzdem bin ich nicht naiv…

Es ist ganz gleich, wie oft wir stolpern und wieder auf die Beine kommen.
Wie oft wir durchs Feuer gehen und aus der Asche wieder auferstehen, uns abputzen und weitermachen.
Die Trails, unser Leben, … halten immer neue Überraschungen und Herausforderungen bereit.

Am Ende geht es wohl nicht darum was wir geleistet, gelernt und geschafft haben, sondern ob wir dadurch ein Stückchen mehr bei uns selbst angekommen sind.
Bei-sich-selbst ankommen bracht nicht nur ein WIE, es braucht vor allem ein starkes WARUM.



In Anlehnung an diese Geschichte stelle ich euch in der nächsten Woche Tapas vor.
Tapas (unsere 8. Inspiration aus der Reihe der Yamas & Niyamas) ist Disziplin, ist der Gang durchs Feuer und
der Reichtum an Möglichkeiten, der aus jenen Augenblicken wächst, in denen wir glauben: 

„Rie ne va plus.“ … „Nichts geht mehr.“

 … denn irgendwas „geht“ immer. 😉

*AllesLiebe, Marina ღ